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Zwangsstörungen: Ursachen

Die genauen Ursachen von Zwangsstörungen sind nicht geklärt. Experten glauben dass verschiedene Faktoren zusammenwirken
aktualisiert am 08.05.2014

Was passiert bei Zwangsstörungen im Gehirn? Das wollen Forscher herausfinden

Jupiter Images GmbH/Creatas

Was Zwangsstörungen im Einzelnen verursacht, ist nicht restlos erforscht. Die erbliche Veranlagung spielt offenbar eine Rolle, dazu kommen psychologische Faktoren. Außerdem scheint die individuelle "Gehirn-Chemie" einen entscheidenden Einfluss zu haben.

Hirnbotenstoffe aus dem Gleichgewicht?

Störungen im Stoffwechsel von Hirnbotenstoffen (Neurotransmittern) werden als hoher Risikofaktor für Zwangsstörungen diskutiert. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Signale zwischen den Nervenzellen weitergeben. Es gibt verschiedene Arten von Neurotransmittern. Für die Aktivitäten im Gehirn, die bei Zwangsstörungen ablaufen, sind besonders Serotonin und Dopamin interessant. Beide Botenstoffe spielen auch bei Depressionen eine Rolle und sind unter anderem für Stimmung, Impulsivität, Sexualität und Angst mitverantwortlich.

Möglicherweise sind die Ursachen auch in Störungen der sogenannten Basalganglien im Gehirn zu suchen. Sie liegen in der rechten und linken Hirnhälfte unterhalb der Großhirnrinde und steuern unter anderem Bewegungsabläufe. Ist ihre Funktion gestört, klappt womöglich das Zusammenspiel zwischen einem Bewegungs-Impuls und der zugehörigen Bewegung nicht mehr richtig.

Erbanlagen spielen eine Rolle

Ein erblicher Faktor scheint das Risiko für eine Zwangsstörung zu erhöhen. Zwangsstörungen treten in Familien gehäuft auf. Zudem sprechen Ergebnisse aus Zwillingsstudien für eine wichtige Rolle genetischer Ursachen. In Zwillingsstudien vergleicht man eineiige Zwillinge miteinander. Sie haben identische Erbanlagen. So lässt sich herauszufinden, welchen Anteil genetische und Umwelt-Faktoren auf die Entstehung von Krankheiten haben.

Psychologische Ursachen

Aus der Psychoanalyse stammt der Begriff "Zwangsneurose" – die frühere Bezeichnung der Erkrankung. Demnach werden Zwänge durch innere Abwehrmechanismen verursacht. Sie sollen demnach helfen, Gedanken aus dem unterbewussten, triebhaften Teil der Persönlichkeit zu kontrollieren.

Experten gehen davon aus, dass bestimmte Faktoren in der Erziehung oder persönliche Lernerfahrungen bei der Entstehung von Zwängen mitwirken. Dazu zählen beispielsweise eine übertriebene Sauberkeitserziehung und ein ängstlicher Erziehungsstil.

Hohe Leistungserwartung und große Strenge können verunsichern und bewirken, dass Betroffene später im Leben sehr streng mit sich selbst umgehen, perfektionistisch werden, um Fehler zu vermeiden. Erwachsene mit Zwangsstörungen zeigen sehr häufig ängstlich-unsichere und perfektionistische Wesenszüge.

Auch schwerwiegende unangenehme Erlebnisse, wie zum Beispiel sexuelle Übergriffe oder Gewalterfahrungen, die mit Angst und Ekel verbunden sind, können bei der Entstehung von Zwangssymptomen eine Rolle spielen.

Wie entwickeln sich die Zwänge?

Experten glauben, dass bei der Entstehung von Zwängen sogenannte Konditionierungsprozesse ins Spiel kommen: Ein ursprünglich neutraler Reiz – zum Beispiel Schmutz – wird mit einem sehr unangenehmen Erlebnis gekoppelt, das mit Angst und Anspannung verbunden ist. Diese Verknüpfung heißt klassische Konditionierung.

Später ruft bereits der Anblick oder die Vorstellung von Schmutz Angst und Anspannung hervor. Die Betroffenen lernen,die innere Anspannung durch Waschen und Reinigen abzubauen, sich kurzfristig besser zu fühlen. Doch die Erleichterung hält nur bis zum nächsten Reiz an. Langfristig verstärken Zwangshandlungen die Unsicherheit.



Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Creatas
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